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Brutstätte Agentur: Wo kommen die guten Ideen her?

Irgendwie war ja klar, dass so ein Thema bei mir hängen bleibt. Klasse! Da habe ich den Salat. Denn wo die guten Ideen herkommen, die wir im Agenturleben bekanntlich mal eben in der Legebatterie produzieren, kann ich nicht einfach so nebenbei beantworten. Schon gar nicht, weil ich – entgegen vieler Studien – davon überzeugt bin, dass in jedem das gleiche kreative Potenzial verborgen ist.

Der Eine oder Andere hat es nur schlichtweg besser drauf, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und diese dann noch für Dritte in verständliche Worte zu fassen.

In meinem Fall gehe ich sogar noch weiter und behaupte: Ich bin einfach nicht rational genug, um Ideenansätze gleich im ersten Stadium zu verwerfen, wenn sie doch in meinem Kopf so schön bunt erscheinen und sich alles so wunderbar zusammenfügt was zusammengehört.

Zum Glück haben wir in unserer Agentur keine Einzelkämpfer-Mentalität. Somit kann ich auf meine Kollegen aus der Konzeption setzen, die mit ganz anderen Methoden – ja fast schon mit wissenschaftlicher Akribie – an solche Aufgaben herangehen.

Letztendlich macht es dann die Mischung aus den emotionalen Flummis (bevorzugt mit LED-Modul) und den strategisch denkenden Konzeptionern, die Hand in Hand (hach, welch romantische Vorstellung!) eine Idee von der Geburt über die Flegeljahre bringen und letztendlich zum Kunden und den Projektmanagern ziehen lassen.

Irgendjemand muss die ganzen guten Ideen ja schließlich auch umsetzen und da sind wir dann bei Gott nicht die Richtigen. 😉

Aber sei‘s drum, ich versuche es mal. Wohl wissend, dass meine persönliche Meinung mit Sicherheit nicht bei allen Anklang findet. Aber hey, was soll‘s. In einem Blog kann man ja auch mal in den konstruktiven Dialog gehen.

Also: Woher kommen nun all die guten Ideen?

 

 Ideen entstehen nicht von 9:00 bis 18:00 Uhr!

Jeder kennt die Situation: Ideen unter Druck in einem festgelegten Zeitfenster zu entwickeln, ist nicht immer möglich. Da helfen auch konsequente Abschottung oder Home Office nicht. Denn plötzlich ist alles andere interessanter als die eigentliche Aufgabenstellung. Oder alles ist blockiert. Nichts geht mehr.

Was hingegen hilft, ist eine gewisse tageszeitliche Unabhängigkeit, am liebsten natürlich: völlige Freiheit in der Zeiteinteilung. Am besten natürlich mit Unterstützung der Geschäftsführung.

Ist dies der Fall, kann man sich spontan nach einem Musikkonzert ans Notebook setzen und, inspiriert von einer Textpassage im Song, die ersten Gedanken zu einer großen Idee festhalten. Weil einen die Musik an einen Kunden und sein Projekt hat denken lassen. Und sich die Idee partout nicht bis morgen, 09.00 Uhr, gedulden wollte.

Nein, das soll nicht heißen, dass alle Kreativen 24 Stunden an 7 Tagen arbeiten müssen. Aber mit den entsprechenden Absprachen kann man sein Gehirn – oder woher diese ganzen Ideen auch immer kommen mögen – 24/7 auf Empfang stellen, um eine plötzliche Idee gleich am Schopfe zu packen.

Ist meist besser, als ihr nur lächelnd aus der Ferne zuzuwinken, während sie vorbeizieht.

An dieser Stelle kann man natürlich noch wunderbar über veraltete Arbeitszeitmodelle sprechen. Aber ich glaube, das steht auf einem anderen Blatt. Und wird – GOTT SEI DANK! – auch endlich von einigen ernst genommen.

Wer Wände einreißen will, aber im Büro bleibt, dem fällt die Decke auf den Kopf.

Geht raus zum Spielen! Wir sind mittlerweile völlig im digitalen Zeitalter angekommen! Wir sind dank Cloudtelefonie, flächendeckender Netzabdeckung und Notebooks, deren Akkus auch mal länger als zwei Stunden halten, doch überhaupt nicht an den gewohnten Schreibtisch mit Familienbildern gebunden.

Ich bin zwar kein Fan von „Business-Kaschperln“, die in hübsch gestalteten Private Business Clubs Brainstormings abhalten oder von den Thailatte-Curcuma-Mac-Hipstern, die nur affektiert und philosophisch in die Ferne gucken. Aber hey, jedem das Seine! Wenn es für den jeweiligen funktioniert, ist doch alles fein. Also einfach mal den Schreibtisch Schreibtisch sein lassen und raus in die Welt!

Apropos Brainstormings…

Nein! Es muss nicht immer gleich ein Brainstorming mit der ganzen Agentur sein. Teamarbeit ist natürlich ganz wichtig. Aber nur, weil es jedem Spaß macht, brauche ich mich nicht gleich zu Anfang eines Projekts mit allen kuschelnd in den Meetingraum setzen. Wo dann jeder noch eine lustige Idee auf ein Blatt Papier schreibt.

Leider erwische ich mich selbst noch viel zu oft beim Planen und Vorbereiten solcher Meetings. Meist bringen solche Brainstormings in großer Runde aber nur eines: viele, viele Wörter. Keinen wirklich viel versprechenden Ansatz, aber dafür zumindest das Gefühl, schon mal angefangen zu haben.

Nochmal: Ich bin für Teamarbeit und auch Brainstormings. Aber alles zu seiner Zeit.

Mei, das wird jetzt aber Diskussionen geben…

Woher kommen gute Ideen - nicht vom Brainstorming

„Du kannst eine große Idee klein machen. Aber niemals anders herum.“

Das hat meine erste Chefin in der Marketingabteilung einer bekannten Bank mit Fähnchen und Kuchen zu mir gesagt. Dieser Satz ist fest in meinem Kopf geblieben. Recht hat sie. Bis heute!

Wichtig ist nur, die große, utopische und manchmal auch gar nicht technisch oder budgetär umsetzbare Idee an den Kunden und die Aufgabe anzupassen, bevor diese dann mit stolzer Brust präsentiert wird.

Jede Idee braucht einen Anfang.

Irgendwo und vor allem irgendwann muss mit einer Idee angefangen werden. Der Startschuss zum Glück. Auch wenn mittlerweile bewiesen wurde, dass die Prokrastination die Kreativität steigert, ist es dann doch nicht zu empfehlen, alles auf den letzten Drücker zu machen. Ja, da spreche ich aus eigener, schmerzvoller Erfahrung.

Einen ultimativen Einstieg gibt es aber nicht. Klar, das ausführliche Briefing vom Kunden muss gelesen und verstanden worden sein. Aber ob beim Ideenfinden ein Claim, eine Bilderwelt, eine grundlegende Story, eine ausgefallene Location oder ein Show-Motto an erster Stelle steht,  kommt ganz klar auf die Anfrage an.

Grundsätzlich ist die Story immer ein guter Einstieg. Denn sie lädt dazu ein, sich wunderbar auszutoben, ohne sich gleich zu verrennen. Was mich zum nächsten Punkt bringt.

Lass dem Irrsinn freien Lauf!

Am Anfang ist das Nichts. Oder das Alles. Hier darf, soll, nein: muss zwingend über den Tellerrand geguckt werden. Mal darf gelacht, mal geblödelt, mal völlig Absurdes in den Raum geworfen werden.  Je wilder, verrückter und utopischer, desto besser!

Die Ernüchterung kommt früh genug – spätestes in der anschließenden Feedback-Runde.

Stelle dich der Kritik!

Ja, mit der Kritik ist das so eine Sache. Obgleich jeder gerne behauptet, mit konstruktiver Kritik umgehen zu können, ist sie insgeheim für jeden, der gerade eine einzigartige, absolut geniale Idee ausgebrütet hat, natürlich ein Schlag ins Gesicht.

Aber es ist Fakt, dass selbst die beste Idee noch kritisch überprüft werden will, bevor sie bedenkenlos in die freie Wildbahn entlassen werden kann. Insbesondere ist es wichtig, sich mit Kollegen aus Projektmanagement, Produktion und Umsetzung auszutauschen. Und wenn die Kollegen mit ihren Anregungen und Bedenken dann blöderweise auch noch Recht haben, dann…

Lasse los!

Auch wenn der Kreative aus konzeptioneller Sicht, aufgrund tiefster Überzeugung oder aus welchem Grund auch immer wie der 5-jährige Kevin im Supermarkt brüllend und heulend auf dem Boden liegend an seiner Idee festhalten will, ist immer das Große und Ganze im Auge zu behalten. Was konkret heißt: Kompromisse machen!

„Meine“ oder „deine“ Idee gibt es dabei sowieso nicht. Wenn aufgrund der Kritik ein besserer Ansatz, ein besseres Konzept und damit ein besseres Projekt zustande kommt… ja, dann ist das so. Schluchz, nöl, seufz.

Und was ist, wenn die Kreativität mal so gar nicht fließen will?

Im Grunde führt eigentlich alles darauf hinaus, sich möglichst frei von Vorurteilen und räumlichen sowie zeitlichen Einschränkungen auf eine Aufgabe einzulassen und mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen. Dann klappt es auch meistens mit der guten Idee. Was aber, wenn gar nichts fließen will?

Im Zweifelsfall fließt dann eben: WEIN!

Ja, hervorragende Ideen können sich auch sehr wohl im Team, außerhalb der Arbeitszeit, bei einem oder zwei oder (hier gewünschte Zahl einsetzen) Gläsern Wein einstellen. Und meist lassen sich diese Art von Ideen dann auch in Windeseile bis zur vermeintlichen Vollendung bringen. Nein, es spricht überhaupt nichts gegen eine Tresen-Geburt.

Zu beachten sind dabei einfach nur zwei Dinge:

  • Irgendjemand der Teilnehmer des „Winestormings“ sollte sich am nächsten Tag noch an die unglaublichen Potenziale der Idee für die Kundenziele erinnern.
  • Auch nach dem Kaffee mit RedBull und einer Aspirin sollten alle Beteiligten immer noch überzeugt von dem gestrig Geschaffenen sein.

Oft ist leider das Gegenteil der Fall. Weshalb sich diese Methode nur empfiehlt, wenn man noch genügend Zeit hat, wieder bei null anzufangen – oder wenn man einen Vorwand braucht, um endlich mal wieder mit den Kollegen um die Häuser zu ziehen.

In diesem Sinne: Wir müssen dann mal los…

Markus Anthoni

Markus Anthoni ist seit 2017 Chief Creative Officer bei der Service Factory. Mit seinem nicht ganz ernst gemeinten Credo „Ich mache hier, was ich will, aber dafür darf das Team hier auch machen, was ich will!“ liebt er es, gemeinsam mit diesem an „ausgefuchsten“ Konzepten zu arbeiten.

Markus Anthoni

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